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Hey Siri, wie geht es dir?

RAVENSBURG – Was würde passieren, wenn Siri und Alexa miteinander sprächen? Würden sie sich Pizza bestellen und einen netten Abend verbringen? Wie Informatik unseren Alltag prägt und wie digitale Assistenten funktionieren, das erklärte Prof. Dr. Thomas Bayer von der RWU bei der Kinderuni Ravensburg-Weingarten.

Prof. Dr. Thomas Bayer ist Professor für ERP-Systeme, Cloud Computing und Data Science im Studiengang Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Mit dabei hatte er seine Tochter Caro – die Zehnjährige unterstützte ihren Vater bei der Kinderuni als Assistentin. Um Assistenten ging es auch bei Bayers Vorlesung, allerdings sprach er über digitale Assistenten – die können sich auf kleinen tragbaren Computern befinden oder auch auf dem Smartphone. Bekannteste Beispiele: Siri und Alexa. Die Hardware der digitalen Assistenten ist dabei nicht so wichtig, Bayer hatte zur Veranschaulichung das Innere eines solchen Gerätes mitgebracht. Eine unspektakuläre Platine, „die Hardware kann nicht wirklich viel“; sagte er. Der Trick läge in der Cloud, an die der digitale Assistent die Sprachbefehle schicke, sobald er seinen Namen hört, etwa „Alexa“. Aus den vom Nutzer gesprochenen Worten, die das integrierte Mikrophon ständig mitanhöre, nähme der Assistent erst dann Befehle auf, sobald er dieses bestimmte Wort vernähme. Und diese Anweisungen werden dann aufgezeichnet, in die Cloud geschickt, ausgeführt und von Siri, Alexa oder anderen Assistenten käme dann die – hoffentlich passende – Antwort.

Miteinander sprechen, das können die digitalen Assistenten noch nicht. Die künstliche Intelligenz reiche noch nicht für natürliche Dialoge. Alexa und Siri würden also selbst ohne Aufsicht keine Partys miteinander veranstalten; und auch fürs Katzenfüttern reicht es nicht bei den digitalen Assistenten, führt Bayer vor. Denn künstliche Intelligenz ist immer nur Spartenwissen. „Ein Schachcomputer kann Großmeister im Schach schlagen, aber er kann keine Verkehrszeichen lesen“, fügt der Informatik-Experte hinzu.

Und zum Schluss gab es noch eine kleine Aufgabe: Die jungen Studierenden sahen sich den sogenannten Turing-Test an. Sie bekamen einen Chat vorgelegt, bei dem zumindest einer der Chat-Partner ein Mensch ist. Die Frage war nun, ob der andere Chat-Partner ein Mensch oder ein Computer ist. Ist die künstliche Intelligenz also schon so gut, dass man sie nicht mehr von der menschlichen unterscheiden kann? Die Kinder rieten richtig: der Chat-Partner im Beispiel war eine Maschine, die Antworten waren teils verräterisch unpassend. Die Maschine hatte also den Turing-Test nicht bestanden, sie wurde entlarvt.

Von der Befragung eines Käfers

Prof. Stefan Luppold erklärt, wie in der Wissenschaft geforscht wird

RAVENSBURG – Ein ganz grundlegendes Thema behandelte Prof. Stefan Luppold bei der Kinderuni-Vorlesung: er erklärte, wie „Wissenschaft Wissen schafft“, und demonstrierte das anhand eines spielerischen Experiments.

„Was ist Forschung?“ fragte Prof. Luppold, Studiengangsleiter Messe-, Kongress- und Eventmanagement an der DHBW Ravensburg, die über 70 jungen Studierenden. Zuerst einmal benötigt die Wissenschaftlerin oder der Wissenschaftler eine Forschungsfrage. Und dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese zu beantworten. Zum Beispiel über Sekundärforschung – wenn man etwa wissen will, wie viele Christbäume online bestellt werden, findet man dazu schon Statistiken von einem seriösen Institut im Internet. Wenn über Sekundärforschung nichts herauszufinden sei, also über die Recherche bereits bestehender Daten und Erkenntnisse, dann müsse man Primärforschung betreiben; über Befragungen zum Beispiel, allerdings kann man nicht alle Untersuchungsobjekte befragen, gab Luppold zu bedenken. Deshalb gibt es die Untersuchungen, bei denen der Befragte nicht antworten muss: „Einen Käfer zum Beispiel, den kann man nicht befragen, deshalb wird er beobachtet und sein Verhalten studiert,“ so Luppold. Mit dieser Methode wurde auch Alexander von Humboldt bekannt, denn als Naturforscher hat er die zu untersuchenden Objekte auf seinen Reisen beobachtet.

Schließlich zeigte Luppold durch ein Experiment eine weitere wissenschaftliche Methode. Zunächst sollten die Kinder schätzen, wer den Lego-Libellen-Bausatz schneller zusammenbaut: ein einzelnes Kind, ein Zweier-, ein Dreier- oder ein Vierer-Team. „Man kann alleine viel konzentrierter arbeiten“, vermutete einer der Nachwuchs-Studenten und setzte auf den Einzelkämpfer. Trotzdem schätzten die meisten, dass das Zweier-Team die Libelle am schnellsten zusammenbaut. Und so war es auch: Sie hatten als erstes unter den wachsamen Augen eines Beobachters das Insekt fertig zusammengesteckt. Um das wissenschaftlich wirklich verlässlich herauszufinden, müsste man das Experiment allerdings mehrmals wiederholen – stattdessen entlässt Luppold die Kinder aber in den wohlverdienten Feierabend.

 

 

Warum der Roboter sich bewegt

Dr. Martin Rehm zeigt, wie Roboter programmiert werden

RAVENSBURG – „Wieso bewegt sich ein Roboter?! – Eine Einführung ins Programmieren“ war das Thema der ersten Kinderuni-Vorlesung des neuen Studienjahres 2019/20. Dr. Martin Rehm erklärte den rund 90 Kindern, dass ein Roboter erst hilfreich ist, wenn er richtig programmiert ist.

Etwa 100 Kinder haben sich zum aktuellen Studienjahr 2019/20 zur Kinderuni angemeldet. Der zehnjährige Constantin ist bereits im zweiten Jahr dabei. Er geht gerne zur Kinderuni, weil es nicht wie in der Schule einen festen Stundenplan gibt, sondern man sich von den Themen überraschen lassen kann. „Ich schreibe alles mit,“ erzählt er. Seine Aufzeichnungen der Vorlesungen hat er ordentlich abgeheftet und immer bei der Kinderuni dabei. David sagt: „Ich lass‘ mir was mit Wissen nicht entgehen!“ Zur Begrüßung gibt es für alle Kinder ein Forscher-Magazin, damit sie schon einen Vorgeschmack auf das Studienjahr bekommen.

Der Dozent der ersten Vorlesung des Studienjahres ist Dr. phil. Martin Rehm, Erziehungswissenschaftler und Transfermanager des Instituts für Bildungsconsulting der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Um die Programmierung von Robotern geht es an diesem ersten Termin. Rehm bringt den jungen Studierenden näher, wie Roboter sich in ihrer Umwelt orientieren und bewegen. In einem ersten theoretischen Teil seiner Vorlesung zeigt Rehm, welche Arten von Robotern es gibt – vom Rasenmäh-Roboter über den Melkroboter bis zum menschenähnlichen Roboter Sophia. Sie alle haben aber doch etwas gemeinsam: Sie benötigen Elektronik, Sensoren und einen Motor. Der reine physische Aufbau eines Roboters bringe aber erst einmal gar nichts, bemerkt Rehm. Erst die Programmierung mache ihn zu einem nützlichen Helfer – er muss genau wissen, was er wann wie tun soll. Einige der Kinder erzählen, dass sie auch schon programmiert haben.

Rehm selbst stellt sich als Versuchsobjekt zur Verfügung und nimmt die Rolle des Roboters ein. Per Zuruf lässt er sich von den Kinderuni-Studierenden zu einem Spielzeug-Pferd leiten, das er aufheben soll. Das klappt nicht auf Anhieb, ein Stuhl, der als Hindernis im Weg steht, fällt beim Zusammenstoß um.

Auch Google sei eine Art Roboter, so Rehm, oder besser gesagt: mit einer Suche schicke Google viele Roboter ins Netz, um Ergebnisse aufzuspüren. Zum Abschluss der Vorlesung gibt Rehm den kleinen Studierenden noch Tipps für Webseiten mit, auf denen sie das Programmieren üben können.

 

 

Studienjahr für 9- bis 12-jährige Jungforscher fängt an!

Das Programm der Kinderuni Ravensburg-Weingarten 2019/2020 steht

RAVENSBURG – Außerhalb der Schule lernen? Dass das Spaß macht, beweisen jedes Jahr die fleißigen Nachwuchs-Studierenden bei der Kinderuni Ravensburg-Weingarten mit ihrem großen Wissensdurst. Das neue Studienjahr geht bald wieder los: Ab 01. Oktober können sich die Jungstudierenden von neun bis zwölf Jahren anmelden. Wieder dabei sind spannende Themen aus verschiedenen Fachgebieten vom Roboterprogrammieren bis zum Video-Clip Dancing.

An der Kinderuni Ravensburg-Weingarten, einem Projekt der Städte und ihrer Hochschulen, können 100 Kinder zwischen neun und zwölf Jahren mitmachen. Die DHBW Ravensburg, die RWU (Hochschule Ravensburg-Weingarten), die Pädagogische Hochschule Weingarten und die Oberschwabenklinik bieten unter der Koordination der Kulturämter in Ravensburg und Weingarten ein bunt gemischtes Vorlesungsprogramm aus ihrem breiten Fächerspektrum.

Bei Dr. phil. Martin Rehm von der PH Weingarten geht es in der ersten Vorlesung am 15. November ums Roboter programmieren. Im Dezember thematisiert Prof. Stefan Luppold von der DHBW Ravensburg „Wie Wissenschaft Wissen schafft“, im Januar wirft Prof. Dr. Thomas Bayer von der RWU mit den Kindern einen Blick darauf, wie Informatik unseren Alltag prägt. Die Vorlesung im Februar stellt Dr. med. Sebastian Hütker von der Oberschwabenklinik unter das Motto „Impfen“, bei Prof. Dr. Michael Streich, DHBW Ravensburg, geht es im März um Marken und wie sie unser Kaufverhalten beeinflussen. Ebenfalls im März beantwortet Dr. Monica Bravo Granström, PH Weingarten, warum wir Sprachen lernen, in der April-Vorlesung von Prof. Dr. Jörg Eberhardt, RWU, drucken die Jung-Studierenden ihr eigenes Spielzeug mit einem 3D-Drucker und im Mai bauen die Nachwuchs-Wissenschaftler mit Prof. Dr.-Ing. Thomas Glogowski von der RWU einen Motor, der mit Wärme angetrieben wird. Bewegung ist auch im Juni im Spiel, wenn Prof. Dr. Jürgen Brath, DHBW Ravensburg, die Eisenbahn näher beleuchtet. Im Juli geht es wieder ins Ravensburger Spieleland: Alexa Becker von der PH Weingarten wird mit den Kindern Tanz-Video-Clips drehen.

 

Info:

Die Vorlesungen finden jeweils freitags um 15 Uhr in Hörsälen der Hochschulen in Weingarten und Ravensburg statt und dauern 45 Minuten. Die Anmeldung ist ab 01. Oktober möglich unter www.kinderuni-ravensburg-weingarten.de, dort sind auch Informationen über die einzelnen Vorlesungen, die Dozentinnen und Dozenten und die Hörsäle zu finden.

Da die Plätze recht schnell belegt sind, empfiehlt sich eine rasche Anmeldung ab dem 01. Oktober.

 

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